the intolerant wanderer | Reizdarmsyndrom – Ist der Darm unser 2. Gehirn?
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Reizdarmsyndrom – Ist der Darm unser 2. Gehirn?

Auf der diesjährigen veggie & frei von Messe in Stuttgart habe ich, zusammen mit meinem Freund Pam, einen Vortrag gehalten zum Thema Reizdarmsyndrom und erklärt, wie Darm und Gehirn miteinander verbunden sind. Der Darm nimmt dabei eine wichtigere Rolle ein, als viele vielleicht vermuten.

Das Ganze ist sehr umfangreich, aber wir haben trotzdem versucht, es möglichst verdaulich runterzubrechen. Dasselbe gilt für diesen Blogpost. Egal ob du auf der Messe warst und unseren Vortrag gehört hast oder nicht, ich hoffe, dass nach dem Lesen alles klar ist. Oder zumindest die Basics.

Woher kommen Schmetterlinge im Bauch?

Ich muss ehrlich zugeben, dass mir der Vortrag ganz schön Schmetterlinge im Bauch beschert hat. Aber wieso sagt man das eigentlich so?
Nach meiner Recherche, habe ich eine für mich ziemlich plausible Erklärung gefunden: Schmetterling heisst auf altgriechisch Psyche bzw. Seele. Und die kann in unserem Bauch besondere Gefühle auslösen, wenn wir z.B. freudig oder nervös sind. Unser mentaler Zustand beeinflusst somit also unseren körperlichen Zustand.

Du hast bestimmt auch schon mal eine Situation erlebt, in der dir deine Stimmung auf den Magen geschlagen hat. Aber wusstest du, dass das auch andersrum geht? 

Was hat das mit Reizdarmsyndrom zu tun?

Viele wissen, dass psychische Einflüsse wie Stress und Ärger eine der Ursachen oder Verstärker von Reizdarm-Symptomen sein kann. Was nun Forscher aber ebenfalls herausgefunden haben ist, dass mit dem Reizdarmsyndrom oft eine Überempfindlichkeit des darmeigenen Nervensystems (aka enterisches Nervensystem) einhergeht. Es besteht also eine Art Hypersensitivität, bei der die Schmerzschwelle sinkt und Reize viel schmerzhafter wahrgenommen werden.

Zudem ist dieses eben genannte enterische Nervensystem nicht nur für die geregelte Verdauung und den Transport von Nahrung und Stuhl verantwortlich, sondern kommuniziert auch laufend mit dem Kopf.
Deshalb wird es im Volksmund auch liebevoll „Darmhirn“ genannt, was bezeugt, was für eine wichtige Funktion der Darm gegenüber dem Gehirn übernimmt.

Was ist die Darm-Hirn-Achse und wie funktioniert sie?

Wie gesagt, werden zwischen dem Gehirn und dem Darm ununterbrochen Informationen ausgetauscht. Die Kommunikation läuft über die sogenannte Darm-Hirn-Achse (engl.: gut-brain-axis) und zwar in beide Richtungen. Wobei sage und schreibe 90% vom Darm her kommen und nur 10% vom Kopf.

Unser Verdauungsapparat (Darm) ist über den Nervus Vagus mit unserem Hirnstamm (Kopf) verbunden. Um mir das bildlicher vorzustellen, denke ich dabei an eine Art Autobahn.
Darauf fahren ganz viele LKWs, die beladen sind mit Informationen und Gefühlen: die sogenannten Neurotransmitter. Diese werden im Kommunikationszentrum – in unserer Darmflora, von den 100 Billionen darin lebenden Darmbakterien gebaut und beladen.

Die guten Bakterien versorgen unser Gehirn unter anderem mit Noradrenalin, Dopamin und Serotonin. Das erste macht einen wach, das zweite fördert die Konzentration und das Dritte schaut, dass alles harmonisch zu und her geht.

Ist die Darmflora nicht intakt und wir behausen mehr schlechte als gute Bakterien, beeinflusst das die Produktion der LKWs bzw. die Umwandlung in die wichtigen Neurotransmitter negativ. Das drückt auf die Stimmung. Außerdem wird das Immunsystem geschwächt und wir werden eher krank.

Was bedeutet das jetzt?

Beides, Körper und Geist müssen ausgeglichen sein, damit wir uns ganzheitlich gut fühlen.

Ich selber erlebe das oft am eigenen Leib. Wenn es mir Magen- oder Darm-technisch nicht so gut geht, bin ich viel sensibler und mental teilweise extrem niedergeschlagen. Ausserdem zerbreche ich mir regelrecht den Kopf über Kleinigkeiten. Ich überdenke alles bis ins millionstel Detail. Dadurch bekomme ich Schwierigkeiten, Entscheidungen zu fällen. Diese ganzen Überlegungen, machen mich wahnsinnig! Und zudem unsicher. So entsteht aus einer ansonsten normalen Situation, manchmal sogar eine kleine Panikattacke.

Darauf bin ich zwar nicht stolz, aber eigentlich bin ich also das perfekte Beispiel für die Verbindung zwischen Darm und Hirn.

Mir geht es dann am besten, wenn mein Darm zufrieden ist. Und das erreiche ich am besten mit der entsprechenden Ernährung sowie Ruhe und Gelassenheit.
Darum ist es bei Reizdarmsyndrom (aber auch sonst) auch so wichtig, dass wir, neben der Stressreduktion, unsere Darmflora hegen und pflegen. Abgesehen von ausgewogener Ernährung, kann Probiotika dabei helfen, die guten Bakterien zu fördern und somit die “Good Vibes” zu beflügeln.

Auf diese Themen gehe ich bald noch mehr ein und schreibe dazu einen separaten Blogpost, da die Informationen ziemlich umfangreich sind.

Wie siehst du das?

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht. Spürst du die Verbindung zwischen Darm und Hirn selber auch? Wie beeinflusst dein Körper deinen Geist und umgekehrt?

Und falls dir das komplett neu ist und du noch nie über den Zusammenhang zwischen den beiden nachgedacht hast, kann ich dir empfehlen, mal eine Zeit lang ein Symptomtagebuch zu führen – mir hat das geholfen, zu verstehen, wie ich auf was reagiere.

Egal, was deine Erfahrungen sind, ich würde sie sehr gerne hören und mich mit dir darüber austauschen. Deshalb, schreib mir doch bitte einen Kommentar und erzähl mir, was du denkst oder wie es dir geht. Oder auch wenn du Fragen hast. Ich freue mich von dir zu lesen.

Angi

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